Biathlon-Legende Simon Eder hängt mit 43 Jahren die Skier an den Nagel
Nach dem überraschenden Rücktritt von Lisa Hauser verkündete am Donnerstag auch Simon Eder das Ende seiner beeindruckenden Biathlon-Laufbahn. Der 43-jährige Salzburger zieht seinen Schlussstrich nach 23 Jahren im Profi-Biathlon – ausgerechnet in Oslo, wo er 2014 seine erste WM-Bronzemedaille holte. „Jetzt ist es so weit. Jeder, der Biathlon verfolgt hat, weiß: Das ist keine leichte Entscheidung für mich. Aber ich habe meinen Traum gelebt“, erklärte Eder im ORF-Interview, wie der Standard berichtet.
Eine Karriere, die den Sport in Österreich prägte
Simon Eder galt über viele Jahre als eine der prägenden Figuren des internationalen Biathlons. Der Salzburger, der den Spitznamen „Lucky Luke“ wegen seiner Schnelligkeit am Schießstand trug, sammelte in seiner Laufbahn insgesamt sieben Medaillen bei Großereignissen. Besonders erfolgreich war er zwischen 2009 und 2021, als er sowohl bei Weltmeisterschaften als auch bei Olympischen Spielen regelmäßig um die Podestplätze kämpfte.
Seine größten Einzelerfolge feierte Eder bei Weltmeisterschaften: 2014 holte er Bronze in Oslo, 2017 wiederholte er diesen Erfolg bei der Heim-WM in Hochfilzen im Massenstart. In der Staffel war er sogar noch erfolgreicher – bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi gewann er jeweils Silber mit dem österreichischen Team.
Der lange Weg eines Spätzünders
„Ich war Spätzünder“, gab Eder selbst zu. Sein Debüt im Biathlon-Weltcup liegt bereits 23 Jahre zurück, doch die großen Erfolge kamen erst später. Der Sport wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt – Vater Alfred war ebenfalls erfolgreicher Biathlet und beendete seine Karriere ebenfalls in fortgeschrittenem Alter. „Der Papa war auch über 40, Ole-Einar (Björndalen, Anm.) auch 43. Ich wollte auch lange mit dabei sein, dafür braucht es einen inneren Antrieb“, erklärte Eder.
Die goldenen Jahre des österreichischen Biathlons fielen in die 2010er Jahre, als Eder gemeinsam mit Dominik Landertinger, Christoph Sumann und Daniel Mesotitsch für Furore sorgte. „Wir haben die Hausaufgaben gemacht, haben uns jeder auf sein Toplevel gebracht, was die Leistungsfähigkeit angeht, haben wir uns im Team auch gepusht“, blickte der Routinier zurück.
Was bedeutet das für die österreichischen Biathlon-Fans?
Der Rücktritt von Simon Eder markiert das Ende einer Ära im österreichischen Biathlon. Zusammen mit Lisa Hauser verlieren die heimischen Fans binnen kürzester Zeit zwei prägende Figuren des Sports. Eder war nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern auch wegen seiner Beständigkeit und seines Durchhaltevermögens ein Vorbild für junge Athleten.
Seine Fähigkeit, auch jenseits der 40 noch auf Weltklasse-Niveau zu konkurrieren, war beeindruckend und wird den Fans in Erinnerung bleiben. Aktuell ist er als 31. im Weltcup-Gesamtklassement immer noch bester österreichischer Herr – ein Zeichen dafür, wie schwierig die Situation im Herren-Bereich geworden ist.
Stimmen zum Karriereende
„Rudi Völler hat einmal gesagt: Wenn man unter 40 aufhört, hat man das Spiel nie geliebt. Ganz so drastisch würde ich es nicht ausdrücken, aber ich habe es bis zum Schluss ausgenutzt“, sagte Eder mit breitem Grinsen im Gespräch mit ORF-Moderator Dietmar Wolff. Gleichzeitig wurde er auch nachdenklich: „Man muss wirklich einen langen Atem beweisen.“
Besonders emotional wurde Eder, als er über die Zeit mit seinen Teamkollegen sprach: „Es waren einfach tolle Jahre, dann mit der WM in Oslo und der Heim-WM in Hochfilzen. Das war sicher mit die Glanzzeit.“ Über das Zusammenspiel in der erfolgreichen Staffel sagte er: „Das heißt jetzt nicht, dass wir eigentlich beste Freunde waren. Wir haben ziemlich viele Konflikte gehabt. Aber summa summarum haben alle Zahnrädchen ineinandergreifen.“
Österreichs Biathlon-Herren vor schwierigen Zeiten
Der Rücktritt von Eder verdeutlicht die aktuellen Probleme im österreichischen Herren-Biathlon. Während die Damen mit Lisa Hauser bis zu ihrem Rücktritt regelmäßig um Podestplätze kämpften, können die Herren von solchen Erfolgen derzeit nur träumen. Eder sieht die Probleme klar: „Das fängt beim Material an, geht weiter über das Training und den sportwissenschaftlichen Bereich. Wenn man das wirklich alles super erledigt und wieder auf ein Toplevel bringt, dann ist man natürlich auch am Ende des Tages wieder dabei.“
Der scheidende Routinier verwies auch auf erfolgreiche Nachbarländer: „Man kann dann natürlich auch mal links, rechts über den Tellerrand hinausschauen, kurz über die Alpen schauen, in der Schweiz, wie die das gemacht haben.“ In der internationalen Biathlon-Community wird Eders Abschied mit Respekt zur Kenntnis genommen, wie Reaktionen auf Reddit zeigen, wo Fans seine lange Karriere würdigten.
Ausblick: Eder als künftiger Trainer?
Das Karriereende bedeutet für Simon Eder nicht das Ende seiner Verbindung zum Biathlon. Als Bundesheer-Angehöriger wird er in den kommenden Wochen Gespräche über seine Zukunft führen. „Die Trainerausbildung steht noch an, die Vorausbildungen, die habe ich schon gemacht. Und ich glaube, Trainer wäre etwas, was ich mir durchaus vorstellen kann“, erklärte er.
Diese Perspektive könnte für den österreichischen Biathlon von unschätzbarem Wert sein. Eders jahrzehntelange Erfahrung auf höchstem Niveau, sein Wissen um internationale Standards und seine Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten, sind Eigenschaften, die dem Nachwuchs helfen könnten. Der österreichische Biathlon steht nach dem Doppel-Rücktritt von Hauser und Eder vor einem Neuanfang – doch mit Eder als möglichem Trainer könnte zumindest die Erfahrung der erfolgreichen Jahre weitergegeben werden.