Österreichs WM-Abwehr nimmt Gestalt an: Zwischen Stammplätzen und offenen Fragen
Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA rückt näher, und für Österreichs Nationalteam-Chef Ralf Rangnick wird die Kaderzusammenstellung zur Herausforderung. Besonders in der Defensive stehen schwierige Entscheidungen an: Während einige Spieler bereits als gesetzt gelten, kämpfen andere noch um ihre Chance auf das größte Turnier ihrer Karriere. Der derStandard analysiert die aktuelle Situation der österreichischen Verteidiger vor den anstehenden Länderspielen im März.
Vier Namen stehen bereits fest
Kevin Danso, Philipp Lienhart, Stefan Posch und Phillipp Mwene haben sich ihre Plätze im WM-Kader bereits gesichert. Diese vier Defensivspieler genießen das uneingeschränkte Vertrauen von Teamchef Rangnick, auch wenn nicht alle automatisch einen Stammplatz innehaben. Ihre konstanten Leistungen und die Verlässlichkeit in Rangnicks System machen sie zu unverzichtbaren Bausteinen der österreichischen Abwehr.
Besonders Danso hat sich nach seinem Wechsel zu Tottenham weiter stabilisiert und bringt die nötige internationale Erfahrung mit. Lienhart überzeugt weiterhin durch seine Zweikampfstärke, während Posch seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt. Mwene komplettiert das Quartett als zuverlässige Option auf der linken Abwehrseite.
Querfeld fehlt bei Testspielen – ohne Bedeutung
Leopold Querfeld steht trotz seiner Nicht-Nominierung für die März-Testspiele weiterhin hoch im Kurs. Rangnick betonte ausdrücklich, dass diese Entscheidung nicht überbewertet werden sollte: „Es ist so, dass wir Leo schon in- und auswendig kennen“, erklärte der Teamchef die Pause für den Union-Berlin-Verteidiger.
Die Statistiken sprechen für Querfeld: In der deutschen Bundesliga gehört er in den Kategorien gewonnene Zweikämpfe und Luftduelle zu den besten sechs Spielern seiner Position. Seine Hauptaufgabe wird es sein, sich von Union Berlins Dreierkette auf das Vierersystem der Nationalmannschaft umzustellen.
Prass drängt sich als Alternative auf
Alexander Prass erlebt bei der TSG Hoffenheim eine starke Phase und könnte von einer taktischen Umstellung profitieren. Während Trainer Christian Ilzer ihn hauptsächlich im Mittelfeld einsetzt, sieht Rangnick in ihm eine offensive Alternative zu Mwene auf der linken Abwehrseite. Bei einer möglichen Umstellung auf eine Dreierkette würde Prass als Schienenspieler besonders wertvoll werden.
Marco Friedl befindet sich hingegen in einer ungewohnten Situation. Der Werder-Bremen-Kapitän war in der WM-Qualifikation noch regelmäßig dabei, muss nun aber aufpassen, dass ihm die Konkurrenz nicht davonläuft. Seine Position gilt als am meisten gefährdet, sollten die nachrückenden Innenverteidiger überzeugen.
Was bedeutet das für die Fans?
Für österreichische Fußball-Anhänger ist die Abwehr-Analyse ein Grund für verhaltenen Optimismus. Mit Danso, Lienhart und Posch verfügt das Team über eine solide Basis. Die Breite im Kader ermöglicht es Rangnick, flexibel auf verschiedene Gegner zu reagieren. Allerdings hängt viel von der Fitness der Leistungsträger ab – ein Aspekt, der den Fans Sorgen bereiten könnte.
Alaba bleibt das größte Fragezeichen
David Alaba verkörpert das Dilemma zwischen Wunsch und Realität. Der Real-Madrid-Spieler wird definitiv mit nach Amerika fliegen, doch Rangnicks Tonfall bei der Ankündigung ließ aufhorchen. Die Formulierung klang, als rechne der Teamchef nicht mehr mit einem einsatzfähigen Kapitän, sondern eher mit einem „Non-playing-captain“, wie bereits bei der EM 2024.
Auch Maximilian Wöber und Gernot Trauner kämpfen mit gesundheitlichen Problemen. Wöber bestritt sein letztes Spiel im August, Trauner kam in dieser Saison noch gar nicht zum Einsatz. Ihre Nominierung hängt vollständig von ihrer Genesung ab – und selbst dann ist ein Platz im finalen 26-Mann-Kader nicht garantiert.
Neue Gesichter drängen in den Fokus
Rangnick nutzt die März-Länderspiele auch, um neue Optionen zu testen. Dabei stehen mehrere Kandidaten vor wichtigen Bewährungsproben, auch wenn der Teamchef betonte: „Wir haben seine Spiele intensiv verfolgt und haben uns entschieden, ihn jetzt mal anzuschauen. Das ist noch kein Indiz, dass das bei der WM auch wieder so ist. Aber er hat die Möglichkeit, sich bei uns zu präsentieren.“
Rangnicks taktische Flexibilität als Trumpf
Die Vielfalt in der Abwehr ermöglicht verschiedene Systemvarianten. Während eine klassische Viererkette mit Mwene und Posch als Außenverteidigern die Standardformation darstellt, könnte eine Dreierkette mit Schienenspieler Prass gegen offensive Teams zum Einsatz kommen. Diese taktische Flexibilität wird bei der Weltmeisterschaft 2026 von unschätzbarem Wert sein.
Die nächsten Monate werden zeigen, welche Spieler das Vertrauen des Teamchefs gewinnen und sich einen Platz im WM-Kader sichern können. Während einige Positionen bereits vergeben scheinen, bleibt der Kampf um die letzten Plätze spannend – und könnte noch für einige Überraschungen sorgen.