Otto Konrad - Fußball-Legende aus Österreich

"Richtige Talente, wirkliche Beißer können sogar wir Trainer nicht aufhalten!" erzählt der ehemalige Fußball-Tormann Otto Konrad über seine Zeit als aktiver Profisportler in diesem spannenden Interview. Erfahren Sie hier viele Hintergrund-Informationen zu seinem Aufstieg bei SK Sturm Graz, den Trainings- und Ausbildungskonzepten für Tormänner, und den Hürden, die Otto Konrad in seiner Laufbahn bewältigen musste.

Otto Konradsport-oesterreich.at: Otto, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst für uns. Zur ersten Frage, fangen wir ganz von vorne an, wann hast du zum Kicken angefangen?

Otto Konrad: Ich habe im zarten Alter von 9 Jahren mit dem Hof- und Wiesenkick angefangen und zwischen dem Grazer Sportclub und dem Platz von Sturm Graz gewohnt, die beiden Plätze sind Luftlinie circa 800 Meter auseinander. Genau in der Mitte bin ich groß geworden und habe bei dem kleineren Verein, dem Grazer Sportclub, angefangen. Dort war ich dann 10 Jahre lang und wechselte mit 18 zu Sturm Graz.

 

Otto Konrad beim Grazer Sportclub

Ich habe beim Grazer Sportclub allerdings nicht als Tormann angefangen, sondern als Feldspieler und ich kann mich noch an mein erstes Spiel erinnern, als der Trainer zu mir sagte: „Am Wochenende haben wir ein Spiel und die spielst Linksverbinder“. Ich hab nicht gewusst was das ist, damals hat es diese Position noch gegeben. Ich habe dann meinen Vater gefragt, was das für eine Position ist und ob die auch wichtig ist. Beim Grazer Sportclub waren wir nicht sehr viele Spieler, daher spielte ich damals jedes Wochenende in zwei verschiedenen Mannschaften.

Mit 13 Jahren hat es dann eine entscheidende Situation gegeben, unser Tormann hat sich bei einem Turnier verletzt. Das Aufwärmen damals war noch so, dass die Mannschaft rausgegangen ist, der Tormann hat sich in die Mitte gestellt, rundherum ist ein Kreis gebildet worden, der Tormann hat allen den Ball zugeworfen und die Spieler haben dann geschossen. Ich habe mir gedacht, wie geil ist das, dass der Tormann jedes Mal den Ball hat und nicht immer 11 oder 12 mal warten muss, bis er wieder schießen kann. Das war absolut prägend für mich und bei diesem Turnier bin ich dann im Tor gestanden. Es hat dann bei diesem Turnier noch eine entscheidende Situation gegeben, da ist einer auf mich zugekommen, hatte mich schon überspielt, hatte das leere Tor vor sich, ich bin aufgestanden, bin ihm nachgerannt, er schoss und ich hab gerade noch mit der Hand vor der Linie retten können. Wir haben dann 1:1 gespielt und das war für das Turnier nicht unwesentlich. Nach diesem Spiel sind alle zu mir gekommen, um mich zu loben. Das war neu für mich, ich spielte davor schon so lange am Feld, aber so wurde ich noch nie gelobt. Von dem Moment an bin ich dann im Tor geblieben und habe dann teilweise sogar in drei Mannschaften gespielt. Ich war damals allerdings noch einer der Kleinsten, darum haben die Fans der gegnerischen Mannschaften immer geschrien: „Schießt hoch, der kommt eh nicht hinauf auf die Latte“.

Otto Konrad wechselt zu Sturm Graz

Ich kann sagen, bei Sturm Graz habe ich das erste Training mit einem halbwegs guten System gehabt. Allerdings gab es noch keine Spezialeinheiten wie Aufsteh- und Falltechnik, beziehungsweise Sportmotorik, die heute zum Trainingsalltag eines Tormanns gehören. Als ich bei Sturm Graz spielte, habe ich auch meine Lehre zum Bandagisten erfolgreich abgeschlossen. Nach 1,5 Jahren bei Sturm bin ich dann schon in den Kader der Kampfmannschaft aufgenommen worden. Damit ging ein Kindheitstraum in Erfüllung. Jedes Training war für mich eine psychische Herausforderung und obwohl ich unbedingt Fußballprofi werden wollte, war es trotzdem immer wichtig für mich, noch eine Alternative mit meiner absolvierten Ausbildung zu haben. 1984 hatte ich dann mein erstes Pflichtspiel in der Kampfmannschaft bei Sturm Graz. 1991 legte ich die Meisterprüfung zum Bandagisten ab, da es, wie bereits erwähnt, immer wichtig für mich war, dass man sich im Leben nicht nur mit Fußball beschäftigt.

sport-oesterreich.at: Eigentlich bist du aus heutiger Sicht, da du erst mit 9 Jahren zum Fußballspielen angefangen hast, ein Spätstarter - oder?

Otto: Ich war generell ein Spätentwickler, als ich mit knapp 18 Jahren zu Sturm Graz gewechselt bin, war ich erst 1,78 m groß und bin in den darauf folgenden 1,5 Jahren noch 10 cm gewachsen. Mir ist allerdings zugutegekommen, dass ich erst bei Sturm Graz mein erstes richtiges Tormanntraining hatte. Eine entscheidende Phase in meiner Entwicklung war meine Zeit in der Sporthauptschule, wo der Fokus auf Leichtathletik und Handball lag. Fußball war dort lange verpönt. Jedoch kam mit dem aktuellen Fußball U21 Nationaltrainer Werner Gregoritsch ein neuer Lehrer, und mit ihm der Fußball, an die Sporthauptschule Bruck bei Graz. Als sie mich schon aus der Schule werfen wollten, weil ich für mein Alter einfach körperlich noch zu schwach für die Leichtathletik war, schaffte ich es in die Handballmannschaft als Tormann. Das war meine Rettung. Und eben mit diesem Handballtraining, im motorisch besten Lernalter, habe ich dann Reaktion, Beweglichkeit und Antizipation trainiert. Dort habe ich sehr viel gelernt, und am Wochenende habe ich dann Fußball gespielt. Das war ein sehr entscheidender Entwicklungsprozess für mich, natürlich hatte ich auch ein bisschen Talent.

"Bei den heutigen Konzepten, was die Tormann-Ausbildung betrifft, die ich auch selbst mitentwickelt habe, wäre ich damals mit Bomben und Granaten durchgefallen."

Meine erste Einberufung in eine Auswahl, war keine Regional- oder Landesauswahl, sondern das U21 Nationalteam. Also wie gesagt, in meiner Entwicklung war es ganz entscheidend, dass ich ballsportiv ausgebildet wurde, Grundlagen aus der Leichtathletik gelernt habe, und dazu das Handballtraining. Zu diesem Thema habe ich einen Leitspruch und der gilt eigentlich für alle Sportarten:

Richtige Talente, wirkliche Beißer können sogar wir Trainer nicht aufhalten!

sport-oesterreich.at:  Aber man sagt auch, Talent alleine reicht nicht beziehungsweise muss man das Talent auch fördern.

Otto: "Ich habe ein Talent, ein Buch zu schreiben, und wenn ich es nicht schreibe dann wird mein Talent nie herauskommen."

Du musst deinem Talent und deinem Glück die Chance geben und dafür was investieren. Das gilt für alle Bereiche im Leben, ich habe ohne Matura mit einem Studium begonnen, ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Bin im Kurs für Projektmanagement neben Leuten gesessen, die bereits bei Banken 40 Projekte umgesetzt haben. Und ich dachte mir nur, dort muss ich hinkommen, ich muss mich einfach mit dem Thema beschäftigen, sonst geht es nicht.

Otto Konrad Casino Salzburg

Otto Konrad zu seiner Karriere bei Salzburg

sport-oesterreich.at: Gehen wir zu deiner Profikarriere bei Salzburg, Du hast ja dann den Weg von Sturm Graz nach Salzburg gefunden. Was war aus deiner Sicht der Höhepunkt deiner Karriere?

Otto Konrad: Meine Geschichte von Transfer von Sturm zu Salzburg ist tatsächlich ein Klassiker. Ich hatte bei Sturm Graz damals einen Vertrag, den ich selbst ausgehandelt hatte und wollte diesen dann mit einem Rechtsanwalt neu gestalten und hatte natürlich viele neue Forderungen an den Verein. Im ursprünglichen Vertrag war ich ja selbstständig, ich forderte eine Pensionsversicherung, eine Sozialversicherung und ich wollte angemeldet werden. Ich wollte auch einen Lohnzettel haben, aber all diese Dinge waren zu damaliger Zeit nicht üblich. Da lief viel einfach unter der Hand. Und die Reaktion des Vereins auf meine Forderung war: „Bist du deppat? Das kostet uns ja doppelt so viel wie jetzt!“

Die logische Konsequenz war, dass mein Vertrag im Jahr 1992 nicht verlängert wurde. Ich durfte nicht einmal mehr mit der Mannschaft trainieren. Das war der Zeitpunkt, wo klar war, dass der Verein und ich nicht mehr zusammenkommen werden. Zu dieser Zeit verlor Salzburg gerade die Meisterschaft an Austria Wien und zeigte Interesse an mir. Das Problem war nur, dass mich der Quehenberger zwar haben wollte aber keine 1,5 Millionen Schilling zahlen konnte. Der damalige Trainer, Otto Baric, wollte mich auch unbedingt haben, allerdings las ich dann ein Monat später in der Zeitung, dass Salzburg den Peter Burgstaller verpflichtet hat. Die Tür war damit für mich zu. Als ich den Quehenberger darauf ansprach und ihm sagte, dass ich den Zug von ihm nicht sehr fein finde, meinte er zu mir:

„Herr Konrad, es tut mir leid aber Sie müssen schon zur Kenntnis nehmen, dass Fußball ein Hurengeschäft ist."

Das war ein harter Schlag für mich. Salzburg hatte nun mit Burgstaller und Ilsanker zwei Tormänner, und als ich eigentlich schon damit abgeschlossen hatte, kam Otto Baric und meinte, er will mich trotzdem unbedingt haben. Die erste Rate der 1,5 Millionen hat er dann aus seiner eigenen Tasche vorgestreckt, und so bin ich dann am Ende doch in Salzburg gelandet.

sport-oesterreich.at:  Und dann ist es eigentlich steil bergauf gegangen in Salzburg - oder?

Otto: Naja, die ersten Spiele waren nicht optimal für mich. Erst nach dem ersten Viertel der Meisterschaft gab es ein Spiel gegen Stahl Linz, wo ich meine erste richtig gute Partie gespielt habe. Anfangs hat es auch noch Rufe nach dem Ilsanker unter den Mitspielern gegeben, es war also nicht so, dass ich als der Retter empfangen wurde. Es hat schon 2 oder 3 Monate gedauert, bis das ganze Werkl ins Laufen gekommen ist.

 

sport-oesterreich.at:  Was war der schönste Moment deiner Karriere, an was erinnerst du dich immer wieder gerne?

Otto: Ich muss ganz ehrlich sagen, es gibt wirklich viele schöne Momente, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. Viele internationale Spiele, die Meistertitel. Ich tu mir sehr schwer dabei, ein Ranking zu machen.


Abbildung: Otto Konrad, Daniel Redlinger

sport-oesterreich.at: Otto, danke für die Zeit, die du dir für uns genommen hast. Abschließend noch die Frage, die wir jedem erfolgreichen Sportler stellen: Was kannst du der jungen Generation mitgeben, damit sie so erfolgreich werden kann, wie du es warst?

Otto: Es gibt absolut kein allgemeines Rezept, wo ich sage, wenn du das machst, wirst du wirklich erfolgreich. Und vor allem kein Rezept, dass du davon leben kannst, deine Familie davon ernähren, und du bis zur Pension an nix mehr anderes Denken musst - das gibt es nicht. Gefordert sind da sicherlich auch die Eltern, die immer Plan B unter anderem auch mit verfolgen müssen, und der Plan B ist grundsätzlich wichtig, weil einem dieser sehr viel Druck nimmt. Meiner Meinung nach geht es im Leben darum, dass wir glücklich sind, und Spaß haben, und den Spaß, das muss man auch wieder sagen, den muss man sich leisten können. Heute sind meine zwei Wörter mit dem höchsten Stellenwert DANKBARKEIT, dass ich das erleben durfte, und auch DEMUT, da mir gewisse Dinge vielleicht auch in den Schoss gefallen sind.


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