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ÖFB-Team steht vor schwerstem Duell der WM-Qualifikation

Published: April 14, 2026
ÖFB-Team steht vor schwerstem Duell der WM-Qualifikation

Nach einem katastrophalen Start in die WM-Qualifikation stehen Österreichs Fußballerinnen vor dem wohl schwierigsten Doppelschlag ihrer jüngeren Vergangenheit. Am Dienstag (18:15 Uhr) in Nürnberg und am Samstag in Ried treffen die rot-weiß-roten Kickerinnen auf Deutschland – eine Mannschaft, die in sieben bisherigen Duellen siebenmal als Sieger vom Platz ging.

Die sportliche Ausgangslage könnte unterschiedlicher kaum sein. Deutschland führt nach zwei Spielen mit sechs Punkten und einem Torverhältnis von 9:0 souverän die Qualifikationsgruppe vier an, während Österreich nach den 0:1-Niederlagen gegen Norwegen und Slowenien als Gruppenletzter dasteht. Vor rund 23.000 erwarteten Zuschauern im Nürnberger Max-Morlock-Stadion soll nun die Wende gelingen.

Teamchef Alexander Schriebl machte vor dem Prestigeduell gegen die achtfachen Europa- und zweifachen Fußball-Weltmeisterinnen keinen Hehl aus der prekären Lage seines Teams. „Da wir gegen Slowenien eine schlechte Leistung gezeigt haben und ohne Punkt da stehen, ist der Druck schon größer“, gab der Salzburger zu.

Slowenien-Niederlage hinterließ tiefe Spuren

Besonders die überraschende Pleite in Slowenien belastet die österreichische Fußball-Mannschaft der Damen mental. „Die Spielerinnen waren sehr geknickt, es war schwer, Gründe zu finden, warum es so gelaufen ist“, erklärte Schriebl die Aufarbeitung des 0:1. Man habe sich offen mit der Niederlage auseinandergesetzt, so der 47-Jährige: „Was manchmal auch wehtut.“

Die Qualifikation für die WM 2027 startete damit denkbar schlecht für die rot-weiß-roten Kickerinnen. Während Deutschland zum Auftakt Slowenien mit 5:0 und Norwegen mit 4:0 deklassierte, kassierten die Österreicherinnen gegen dieselben Gegner jeweils knappe 0:1-Niederlagen. Diese Bilanz verdeutlicht den enormen Qualitätsunterschied zwischen den beiden deutschsprachigen Nachbarn.

Erschwerend kommt hinzu, dass Schriebl auf wichtige Stammkräfte verzichten muss. Sarah Zadrazil, Marie-Therese Höbinger, Lilli Purtscheller und Katharina Naschenweng fehlen verletzungs- oder formbedingt. Gerade diese erfahrenen Spielerinnen wären in den schweren Duellen gegen Deutschland besonders wertvoll gewesen.

Was bedeutet das für WM-Fans?

Für österreichische Fußballfans stehen die nächsten Tage im Zeichen der Schadensbegrenzung. Nach dem verpatzten Qualifikationsstart droht bereits früh das Aus für die WM-Träume. Ein weiterer Punktverlust gegen Deutschland würde die Ausgangslage dramatisch verschlechtern.

Andererseits bieten die Spiele gegen den Topfavoriten die Chance auf eine Initialzündung. Ein überraschender Punktgewinn könnte das nötige Selbstvertrauen für die restliche WM-Qualifikation liefern. Ich sehe die Duelle als Charaktertest für eine Mannschaft, die in den vergangenen Jahren durchaus Fortschritte gemacht hat, nun aber beweisen muss, dass sie auch in Krisenzeiten zusammensteht.

Österreichische Hoffnung trotz klarer Rollenverteilung

Trotz der „klaren Rollenverteilung“ in einem laut Schriebl „immer besonderen Match“ gibt sich der Teamchef nicht geschlagen. „Wir haben nichts zu verlieren, ist nicht das richtige Wording. Jedes Spiel gibt eine neue Chance zu zeigen, dass man es besser machen kann“, betonte er kämpferisch.

Das Rezept für eine Sensation sieht Schriebl in diszipliniertem und leidenschaftlichem Verteidigen wie gegen Norwegen sowie deutlich verbesserter Effizienz. „Und wir müssen mit dem Ball mutiger sein“, forderte der Trainer. Kapitänin Sarah Puntigam ließ sich bezüglich der Taktik nicht in die Karten schauen: „Wir haben ein paar Ideen, und ich hoffe, dass wir das dann auch so umsetzen können.“

Die US-Legionärin machte klar, was für die ÖFB-Truppe spreche: „Dass wir all-in gehen werden. Wir wollen uns selbst noch was beweisen.“ Das Slowenien-Spiel sei nach mentaler Aufarbeitung abgehakt. „Das letzte Spiel war einfach nicht gut genug, wir haben aber relativ schnell den Blick nach vorne gerichtet“, meinte Puntigam.

Deutsche Dominanz als historische Belastung

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: In sieben Aufeinandertreffen gab es sieben Siege für die DFB-Auswahlen. Die jüngsten Duelle fielen aus rot-weiß-roter Sicht besonders bitter aus. In der Nations League kassierte Österreich vergangenes Jahr ein 1:4 auswärts und ein verheerendes 0:6 daheim – Ergebnisse, die ähnliche Dimensionen wie Deutschlands aktuelle Qualifikationsauftritte haben.

Diese historische Dominanz im deutsch-österreichischen Fußball ist nicht neu. Bereits bei der WM 1982 sorgten beide Länder mit der berüchtigten „Schande von Gijón“ für Aufsehen, als sie nach einem frühen deutschen Tor praktisch aufhörten zu spielen, um beide auf Kosten Algeriens zu qualifizieren.

DFB-Teamchef Christian Wück kann im Gegensatz zu seinem österreichischen Kollegen hochkarätige Ausfälle wie jenen von Starspielerin Klara Bühl problemlos verkraften. „Wir wollen eine Bestätigung der letzten Monate, des letzten halben Jahres. Wir wollen den nächsten Schritt zur Weltmeisterschaft gehen“, formulierte er selbstbewusst die deutsche Zielsetzung.

Ausblick: Charaktertest für rot-weiß-rote Zukunft

Die nächsten Tage werden entscheidend für die weitere Entwicklung des österreichischen Frauenfußballs. Nach Jahren des Aufbaus und kontinuierlicher Verbesserung steht das Team nun vor der Bewährungsprobe. Ein respektables Abschneiden gegen Deutschland könnte trotz schwieriger Ausgangslage neue Impulse setzen.

Meiner Einschätzung nach wird sich zeigen, ob die Mannschaft mental stark genug ist, um aus der Krise herauszufinden. Die Duelle gegen Deutschland sind dabei weniger entscheidend für die Qualifikation als vielmehr für das Selbstverständnis und die Entwicklung des Teams. Ein mutiger Auftritt ohne Ergebnis-Druck könnte paradoxerweise genau das Selbstvertrauen zurückbringen, das für die restliche WM-Qualifikation benötigt wird.