Hat sich die Einführung des Videobeweises in der Bundesliga bisher gelohnt?

Eine Frage, die sich in der vergangenen Zeit immer wieder stellt. Es gibt kaum eine Frage, die die Meinungen der Spezialisten und auch Fans derart spaltet.

Früher war es im Fußball gang und gebe, wenn der Schiedsrichter pfeift ist die Entscheidung gefallen. Mittlerweile sieht das ganze anders aus, denn wenn der Schiedsrichter pfeift wandern die Blicke Vieler zum Ohr des Schiris. Dieser steht unter permanentem Kontakt mit den Videoschiedsrichtern aus Köln, ob seine Entscheidung korrekt ist, oder ob er sich die Szene noch einmal anschauen sollte. Hierbei geht der Schiedsrichter in die Videozone, wo ihm die fragwürdigen Szenen von den Assistenten aus Köln mehrmals gezeigt werden. Schlussendlich hat der Schiedsrichter nochmal die Möglichkeit, seine Entscheidung zu überdenken und im Falle eines Fehlers zu korrigieren.

Hat sich die Einführung des Videobeweises in der Bundesliga bisher gelohnt?

Alles in allem klingt dies nach einer wunderbaren Erfindung, denn somit sollte es zu keinen Fehlentscheidungen mehr kommen. In der Praxis sieht dies allerdings anders aus, denn seit der Einführung des Videoschiedsrichters wurde oft genug über dessen Nutzen diskutiert.

Videoschiedsrichter: ja oder nein?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen meist weit auseinander. Der Videoschiedsrichter ist dazu da, falsche Entscheidungen zu berichtigen und für mehr Gerechtigkeit im Fußball zu sorgen. In der Praxis sieht das Ganze oftmals anders aus, denn hier sind die Beschwerden bezüglich des Videoschiedsrichters enorm. Dies liegt unter anderem daran, dass schlussendlich nach wie vor Menschen die Geräte bedienen und Situationen deuten müssen. In der vergangenen Bundesliga Saison gab es laufend Aufreger, da es trotz Videoassistenten immer wieder zu Fehlentscheidungen kam. In vielen Fällen war die Fehlentscheidung des Schiedsrichters mehr als offensichtlich, doch die Korrektur durch den Videoassistenten blieb aus.

Während der Weltmeisterschaft konnte sich der Videoassistent etablieren, denn der Einsatz war äußerst erfolgreich. In der Bundesliga sah es gleich am ersten Spieltag wieder anders aus, denn unter anderem hätte dieser beim Auftaktspiel Bayern gegen Hoffenheim deutlich öfter eingreifen müssen. Beim Spiel Schalke gegen Wolfsburg gab es mit einem Platzverweis und einer zurückgenommenen roten Karte dann noch mehr Aufregung und Diskussionsbedarf. Selbst zu einem Elfmeter während einer Halbzeit kam es bereits, womit für Viele eine Grenze überschritten wird.

Störung des Spielflusses?

Für viele Trainer und auch Spezialisten ist der Videobeweis nichts anderes als Humbug, was mit diversen Fehlentscheidungen trotz Videoschiedsrichters begründet wird. Sie halten nach wie vor an dem Konzept fest, dass der Schiedsrichter als Einzelner mit Zuhilfenahme seiner Assistenten die Entscheidungen fällen kann. Zu Fehlentscheidungen wird es immer kommen, denn dies war auch nicht mit dem Videobeweis abzuwenden.

Greift der Videoschiedsrichter ein, so wird der Spielfluss selbstverständlich gestoppt und das Warten auf die endgültige Entscheidung beginnt. Die Blicke Aller wandern zum Schiedsrichter, während dieser sich die Szenen noch einmal anschaut. Nun folgt eine zweite Entscheidung, die schlussendlich auch endgültig ist und der Jubel kann beginnen.

Nimmt er die Emotion oder bringt er zusätzliche Emotionen?

Diese Frage kann nicht generell beantwortet werden, denn erzielt eine Mannschaft ein Tor, so hat sie dies auch immer ausgiebig gefeiert. Unter der Einführung des Videobeweises gibt es etwas Derartiges nur noch in den Wenigsten Fällen, denn während dem Jubel wird der Schiedsrichter immer mit einem Auge im Blick gehalten. Meldet sich der Videoassistent zeitnah, so braucht niemand mit dem Jubeln beginnen.

Schlussendlich bringt der Videoassistent allerdings auch zusätzliche Emotionen, denn beim Eingreifen des Videoschiedsrichters kann gleich 2 Mal gejubelt werden. Garantiert ist allerdings nicht, ob gleich ein zweites Mal gejubelt werden kann oder nun der Gegner etwas zu jubeln hat.

Entertainment oder Fehlerbehebung?

Nun stellt sich die Frage, wozu ist der Videoschiedsrichter da? Ursprünglich sollte der Videoschiedsrichter das Schiedsrichter Team unterstützen, sodass es zu keinen Fehlentscheidungen mehr kommt. In der Realität sieht die Sache allerdings ganz anders aus, denn in der Vergangenheit gab es jede Menge Ärger aufgrund des Video Assistenten. Die vergangene Bundesliga Spielzeit wurde von Diskussionen um den Videoassistenten begleitet, auch wenn es alles in allem deutlich weniger Fehlentscheidungen gibt.

Allerdings hat die DFL den Videoassistenten nicht nur zur Fehlervermeidung eingeführt, denn der zusätzliche Entertainment Faktor ist hier nicht zu übersehen. In der Vergangenheit hat der Schiedsrichter eine Entscheidung gefällt und das Thema war beendet. Nun fällt der Schiedsrichter eine Entscheidung und das Zittern beginnt. Während der Schiedsrichter mit den Offiziellen aus Köln kommuniziert, bietet uns das Warten und die Ungewissheit einen unglaublich hohen Entertainment Faktor. Einen zusätzlichen Entertainment-Faktor beim Fußball können jedoch auch Sportwetten, wie beispielsweise hier bieten.

Nicht so schlecht wie er dargestellt wird?

Schlussendlich werden sämtliche Geräte von Menschen bedient, die ebenfalls eine Entscheidung treffen müssen. Hierbei gehen Meinungen oft Auseinander, denn für Leute sehen fragwürdige und knappe Entscheidungen unterschiedlich. Als Resultat wird schlussendlich über den Videoschiedsrichter diskutiert und nicht über das Empfinden der einzelnen Personen.

Die Szenen können letzten Endes alle nochmal aus verschiedenen Perspektiven angeschaut werden. Mit Zeitlupen, Nahaufnahmen und kalibrierten Linien ist es schlussendlich deutlich einfacher eine korrekte Entscheidung zu fällen, denn hierfür wird man sich die nötige Zeit nehmen.

Bei Abseitssituationen ist der Videobeweis optimal          

Der Videobeweis musste viel Kritik ernten, doch in einigen Fällen erleichtert er das Ganze immens. Gerade bei Abseitssituation wird eine kalibrierte Linie gelegt, sodass bei kurzem Blick sofort erkennbar ist, ob es sich tatsächlich um Abseits handelt. Hierbei gab es in der Vergangenheit viele Fälle, bei denen der VA falsche Entscheidungen berichtigen konnte, weshalb der Videoassistent mit Sicherheit irgendwo seine Daseinsberechtigung hat. Auch der Einsatz bei der WM war alles in allem sehr erfolgreich.

DFB Pokalfinale zwischen Bayern und Frankfurt

Beim DFB Pokalfinale der vergangenen Bundesliga Saison zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt kam es ebenfalls zu einem großen Aufreger. In der letzten Minute der 4-minütigen Nachspielzeit werfen die Bayern alles nach vorne. Javi Martinez ist am Ball und möchte aus der Drehung abschließen, wird dabei allerdings von Kevin-Prince Boateng übel am Fuß getroffen und fliegt dabei zu Boden. Felix Zwayer hatte nicht gepfiffen, weshalb sich der Videoassistent zu Wort meldete und den Unparteiischen bat, sich die Szene noch einmal anzusehen. Nach einem kurzen Blick auf den Monitor gab Felix Zwayer den Elfmeter schlussendlich nicht, auch wenn dieser gegeben werden muss. Folglich konterten die Frankfurter und erzielten den 3:1 Endstand, weshalb die Münchner keine Chance mehr auf den Titel hatten. Die Münchner Beteiligten waren sauer und aufgebracht über den Elfmeter-Diebstahl. Der damalige Frankfurter Trainer Niko Kovac und auch der Übeltäter Kevin-Prince Boateng waren beide ebenfalls der Meinung, dass die Eintracht sich nicht über einen Elfmeter hätte beschweren können. Kevin-Prince Boateng hatte bereits fest mit einem Elfmeter gerechnet, da er ihn nach eigenen Angaben deutlich getroffen hatte. Schlussendlich entschied Felix Zwayer gegen einen Elfmeter. Diese Entscheidung vertrat er einige Tage später nach wie vor. In solchen Fällen wird der Videoschiedsrichter oftmals zu unrecht kritisiert, denn auch hier waren menschliche Fehlentscheidungen ausschlaggebend.


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